Was jetzt wirklich wichtig ist – ein persönliches Statement

Für mich sind es vier Dinge, die wichtig sind und bleiben – und die auch im Zeitalter von Corona wichtig sind:

Verkündigung des Evangeliums

Es klingt echt zu simpel – aber genau das ist offensichtlich das Problem. Der Mensch sucht vielleicht das Komplizierte, das Komplexe, das Herausfordernde und steht sich selbst im Weg. Jesus sagt von sich selbst: „In der Welt werdet ihr hart bedrängt, aber lasst euch nicht entmutigen: Ich habe diese Welt besiegt.“ (Johannes 16,33)

Meine Hoffnung und mein Gebet sind, dass dieses schreckliche Virus und diese absolut einzigartige Situation zu einem führen: Dass Menschen anfangen, Jesus zu vertrauen. Denn es hat Gründe, dass wir ihm vertrauen können, wie die folgende Grafik zeigt:

Corona-Jesus

Es stimmt beides. Ich will nichts klein reden. Ich habe wirklich die Hoffnung, dass diese komplett außerordentliche Situation dazu führt, dass Menschen ihr Leben Jesus anvertrauen und erfahren: Er stillt die Angst, er begegnet meiner Angst mit Liebe, Trost, Kraft und Hoffnung, die mir nichts und niemand anderes geben kann.

Gebet

Ich glaube immer mehr, dass wir die Kraft des Gebetes leider unterschätzen. Der Mensch geht seiner eigenen Hybris immer wieder auf den Leim, die Dinge doch irgendwie „managen“ zu können. Kann er aber nicht – und leider versäumt er es, an der Seite dessen zu kämpfen und gleichzeitig auszuruhen, der diese Welt erschaffen hat. Diese Augenblicke sind nur ein Gebet weit entfernt – und leider schließe ich mich darin voll mit ein die Kraft des Gebets zu unterschätzen.

Gebet in der Corona-Krise

Barmherziger Gott,
wir beten für die Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind (ggf. ihre Namen nennen). Beschütze sie und lass sie bald genesen! Behüte auch die, die sie pflegen und für sie sorgen, dass sie sich nicht anstecken!
Wir beten für die, die durch diese Erkrankung einen lieben Menschen verloren haben. Tröste sie! Hilf ihnen und stärke trotz allem ihr Vertrauen auf Dich!
Wir beten für die Menschen, die durch die Vorsichtsmaßnahmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Hilf ihnen und beschütze sie, dass ihnen nicht ihre Existenzgrundlage entzogen wird!
Wir beten für die Menschen, die alt und einsam sind und durch diese Situation noch mehr isoliert werden und sich ängstigen. Gib ihnen Mut und schick ihnen die Hilfe, die sie jetzt brauchen!
Wir beten für die Familien, die vor besondere Herausforderungen gestellt werden. Lass sie die nötige Unterstützung finden, und gib Eltern und Kindern viel Geduld und Liebe füreinander!
Wir beten für die Verantwortungsträger in Kirchen, Politik und Gesellschaft. Lass sie weise Entscheidungen treffen! Lass sie die richtigen Prioritäten setzen!
Lass uns alle in dieser Lage erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben! Lass uns zur Besinnung kommen und die gewonnene Zeit für Dich einsetzen. Hilf uns zu sehen, wo unsere Hilfe gebraucht wird!
Hilf uns allen, dass wir Dir mehr vertrauen als allen Vorsichtsmaßnahmen! Lass uns Geld und Gesundheit nicht über die Liebe und Treue zu Dir stellen! Lass uns getrost unser Leben in Deine Hand legen! Amen!
(von Pfarrerin Christiane Seresse)

Tätige Nächstenliebe

Wunderbar ist es, wie viele Menschen sich nun zusammentun und dafür sorgen wollen, dass anderen geholfen wird. Viele sind darauf bedacht, Menschen aus der Risikogruppe (ältere Menschen und Vorerkrankte) durch Einkäufe oder Erleichterung anderer Alltagssituationen unter die Arme zu greifen.

Es berührt mich, wie viele Menschen sich für andere Menschen einsetzen möchten. Dazu muss man kein Christ sein, das ist richtig. Aber wo Gemeinde diesen Auftrag nicht ernst nimmt, da krankt es. Aber Achtung: Keine Kirchengemeinde muss nun in Aktionismus verfallen und den Weltrekord in diakonischem Handeln aufstellen.

Gemeinschaft

Wir werden aufgefordert, soziale Kontakte zu vermeiden, bis die Corona-Situation überstanden ist. Das ist auch gut so, um das Virus die Chancen zu rauben, sich verbreiten zu können. Aber es kommt eine Zeit “danach”. Und dann ist es unumgänglich, dass Gemeinde mehr Gemeinschaft lebt. Und damit meine ich nicht, sich einfach zu treffen.

Sondern wenn man sich trifft, den anderen wahrnehmen, ernst nehmen, willkommen heißen, mit ihm sich freuen, leiden, weinen, lachen, tanzen und all das, was der Apostel Paulus so beschreibt: „Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen. Ihr alle seid der eine Leib von Christus, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu.“ (1. Korinther 12,26+27)

Ich glaube nicht, dass wir in Gemeinden an einer Veranstaltungsarmut leiden – wohl aber an einer Gemeinschaftsarmut. Sich zu treffen bedeutet noch nicht, einander anzunehmen, zu ehren, zu lieben oder zu stärken. Möge diese Situation uns helfen, es in Zukunft besser zu machen!

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