Die Kir­chen­ge­mein­den Baben­hau­sen, Har­res­hau­sen, Her­gers­hau­sen, Schaaf­heim, Schlier­bach und Sicken­ho­fen sind nun eine Gesamt­kir­chen­ge­meinde.

Mit einem fei­er­li­chen Fest­got­tes­dienst am Sonntag, 18. Januar, ist die neue Evan­ge­li­sche Gesamt­kir­chen­ge­meinde Baben­hau­sen und Schaaf­heim besie­gelt worden. Die Kirche in der Region orga­ni­siert sich in grö­ße­ren Einheiten.

Auf dem Platz vor der evan­ge­li­schen Stadt­kir­che in Baben­hau­sen ist einiges los. Während die Glocken läuten, sammeln sich die Kir­chen­vor­stände aus Baben­hau­sen und Har­res­hau­sen, aus Her­gers­hau­sen und Sicken­ho­fen, aus Schaaf­heim und Schlier­bach, deren Pfar­re­rin­nen und Pfarrer sowie Dekan Joachim Meyer und Propst Stephan Arras. Wenige Minuten später ziehen sie in die Kirche ein, beglei­tet von den fest­li­chen Klängen des Posau­nen­chors und den ermun­tern­den Blicken der Got­tes­dienst­be­su­che­rin­nen und ‑besu­cher.

Gut besucht war der Fest­got­tes­dienst zur Grün­dung der Evan­ge­li­schen Gesamt­kir­chen­ge­meinde Baben­hau­sen und Schaaf­heim in der evan­ge­li­schen Stadt­kir­che Babenhausen. 

Es sind viele, die da gemein­sam in die Kirche laufen. Und es sind viele, die wenig später im Chor­raum vor dem grün beleuch­te­ten mit­tel­al­ter­li­chen Flü­gel­al­tar im Kreis stehen und den Segen von Propst Arras und Dekan Meyer emp­fan­gen. Damit ist die Gesamt­kir­chen­ge­meinde besie­gelt. Ein beson­de­rer Moment, denn er mar­kiert den neuen Weg, den die sechs Kir­chen­ge­mein­den nun als Evan­ge­li­sche Gesamt­kir­chen­ge­meinde Baben­hau­sen und Schaaf­heim gemein­sam gehen.

Ganz schön viele: Die Kir­chen­vor­stände der bisher sechs Kir­chen­ge­mein­den ver­sam­mel­ten sich im Chor­raum der evan­ge­li­schen Stadt­kir­che in Babenhausen.

Kirch­li­che Hand­lungs­fel­der bleiben bestehen
„Gesamt…, äh, was?“ Und: „Was ist, wenn es meiner Oma schlecht geht?“ Die Kon­fir­man­din­nen fragen, Pfarrer Ulrich Möbus und Pfar­re­rin Andrea Ruders­dorf ant­wor­ten: Gesamt­kir­chen­ge­meinde meint den Zusam­men­schluss der Kir­chen­ge­mein­den von Baben­hau­sen, Har­res­hau­sen, Her­gers­hau­sen, Schaaf­heim, Schlier­bach und Sicken­ho­fen mit ihren Kirchen plus der in Mosbach. Und natür­lich ist die Seel­sorge wei­ter­hin ein wich­ti­ges Feld, genauso wie die Got­tes­dienste an den unter­schied­li­chen Orten, Musik und das gesell­schaft­li­che Engagement.

Das Ver­kün­di­gungs­team, bestehend aus den Pfar­re­rin­nen Elke Becker, Andrea Ruders­dorf und Chris­tiane Seresse sowie den Pfar­rern Marcus David und Ulrich Möbus gestal­tete den Got­tes­dienst zusam­men mit Ehren­amt­li­chen aus den Kir­chen­vor­stän­den. Musi­ka­lisch beglei­tete Alex­an­der Kolb an der Orgel den Got­tes­dienst; außer­dem wirkten der Posau­nen­chor unter der Leitung von Stephan Mahr, die Flö­ten­gruppe unter der Leitung von Walter Kraut­wurst und der Kir­chen­chor unter der Leitung von Dr. Ludwig Seel mit.

Der Glaube hat nichts mit der Orga­ni­sa­ti­ons­form zu tun

Die Besu­che­rin­nen und Besu­cher der voll besetz­ten Kirche waren auf­ge­for­dert, ihre Gedan­ken zu den neuen kirch­li­chen Struk­tu­ren auf einen weißen Stein zu schrei­ben, um ein „kleines Denkmal zu bauen, das an diesen Anlass erin­nert“, wie Pfar­re­rin Seresse es for­mu­liert. Und: „Unser Glaube hängt nicht davon ab, wie wir uns organisieren.“

Dekan Joachim Meyer hat „Mus­ke­tiere“ auf seinen Stein geschrie­ben. Denn der Leit­spruch der Mus­ke­tiere sei: einer für alle, alle für einen. Die Dia­log­pre­digt mit Propst Stephan Arras ist eine Pre­miere, obwohl die beiden sich schon lange kennen. Der Propst hat „Gottes Licht leuch­tet“ auf seinen Stein geschrie­ben, schließ­lich stehe Gott hinter allem. Arras hat ein Kalei­do­skop mit­ge­bracht, in dem sich die Zukunft der Gesamt­kir­chen­ge­meinde zeige. Er selbst hatte als Kind ein solch‘ „wun­der­sa­mes Fern­rohr“. Und weil er unbe­dingt wissen wollte, wie es funk­tio­niert, habe er es aus­ein­an­der genom­men, erzählt der Propst. Die Ent­täu­schung war groß: Er fand nur Scher­ben und das Fern­rohr war kaputt. Der kirch­li­che Prozess bringe auch Abschied und Zer­bro­che­nes mit sich, so Arras, am Ende aber werde etwas Neues entstehen.

Propst Stephan Arras (li.) und Dekan Joachim Meyer kennen sich schon lange und hielten bei dem Fest­got­tes­dienst erst­mals gemein­sam eine Dialogpredigt. 

Rein­hard Rup­p­recht über­brachte im Namen der Stadt Baben­hau­sen Glück­wün­sche, Präses Ulrike Laux für das Evan­ge­li­sche Dekanat Vor­de­rer Oden­wald, Julia Roth für die katho­li­sche Pfar­re­rei St. Chris­to­pho­rus Die­bur­ger Land und Elke Hein­lein für die gelebte Ökumene und die Emmaus-Gemeinde. Nach dem Got­tes­dienst wurde mit einem Gläs­chen Sekt und bei Kaffee und Kuchen noch weitergefeiert.

Pfar­re­rin Andrea Ruders­dorf ser­vierte Sekt im Talar.

Hin­ter­grund: ekhn2030
Der Fest­got­tes­dienst ist der Auftakt für die sich ver­än­dern­den Struk­tu­ren der evan­ge­li­schen Kirche in der Region. Zum 1. Januar 2026 sind drei neue große Gemein­den im Evan­ge­li­schen Dekanat Vor­de­rer Oden­wald ent­stan­den, dar­un­ter die Gesamt­kir­chen­ge­meinde Baben­hau­sen und Schaaf­heim; die letzten beiden neuen Gemein­den im Dekanat gehen 2027 an den Start. Mit dem Reform­pro­zess „ekhn2030“ reagiert die Evan­ge­li­sche Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf Mit­glie­der­schwund, gerin­gere Ein­nah­men sowie Pfarrer*innenmangel und bündelt Res­sour­cen. Ver­wal­tung und Digi­ta­li­sie­rung, Gebäude, Rechts­for­men und Ver­kün­di­gungs­teams sind die Kern­the­men des Prozesses.

Bei allem Mangel zeigte dieser viel­fäl­tige und fröh­li­che Got­tes­dienst aber auch: Gemein­sam können die Gemein­den mehr erreichen.

Bild­quelle: Silke Rummel/Evangelisches Dekanat Vor­de­rer Odenwald